Erfühle dich

Sie fuhr ihm mit ihren sanften Fingern über die Schultern, die er für zu schmal hielt. Sie wischte seine Ängste davon. Ängste, vor der eigenen Zerbrechlichkeit. Fehlende Kraft, sie zu beschützen, sich selbst zu beschützen.

Ihre Hände schwebten seine unnützen, bloß in seinen Augen, verkümmerten Beine entlang und gaben ihnen Glanz. Gaben ihm Glanz. Gab sie ihn wirklich? Nein, was er nicht wusste; er war bereits dort. Der Glanz. Der Wert. Er an sich besaß ihn, er an sich war wertvoll. So wertvoll. Sie fand ihn bloß, seinen Wert, seinen Glanz, und machte ihn sichtbar.

 

Tragen konnten sie ihn nicht, diese Beine. Der Wunsch zu laufen, gebar den Hass, der sich auf seine Beine richtete. Nur sie verstand, diesen Hass zu mildern. Ihn zu zähmen und in den Schlaf zu singen. „Du bist schön.“, sagte sie. Nicht bloß mit dem Mund. Auch ihre Augen sagten es. Ihr Gesicht. Alles an ihr sagte es ihm. „Du bist schön.“ Und er konnte sie spüren, die Schönheit. Wie sie zwischen ihnen stand. In Form ihrer Liebe.

 

 

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