Glückliche Momente

Wir liegen im Gras und die Sonne scheint sanft auf unsere Körper. Ich spüre ihn neben mir und mein Herz fühlt sich ganz warm an. Meine Augen sind geschlossen, aber es macht keinen Unterschied, weil ich sowieso nur ihn sehe. Wenn ich träume, wenn ich schlafe, wenn ich lebe. Mit zärtlichen Fingern streichelt er meinen Arm, meinen Bauch, meine Brüste, während sein Mund meinen Hals liebkost. Ich liebe diesen Ort. Und ich liebe ihn. Schon als Kinder haben wir hier gemeinsam gespielt.

Er flüstert mir ins Ohr: „Du bist wunderschön.“ Seine Nase kitzelt mich dabei und ich muss unwillkürlich anfangen zu kichern. Ich kann es kaum fassen, wie glücklich ich mich fühle. Meine Hand ertastet nun sein Gesicht, ich öffne meine Augen, sehe in seine und fühle die Liebe. Sein Mund findet den Meinen und wir küssen uns. Sanft, zärtlich, liebevoll, leidenschaftlich, voller Begierde, spüren den anderen. Wir lieben uns hier, im Gras auf meiner Lieblingswiese.
Doch plötzlich höre ich jemanden. Ich rufe: „Oh nein, schnell, wir müssen uns verstecken, da kommt jemand.“ Aber noch immer kann ich nicht aufhören zu kichern.
                                                                                                                               *

„Mrs. Blum? Mrs. Blum? Können Sie mich hören?“
„Oh nein, schnell, wir müssen uns verstecken! Da kommt jemand!“
„Mrs. Blum, niemand muss sich hier verstecken. Und hören Sie endlich mit diesem dämlichen Gekicher auf. Es ist Zeit für Ihre Medizin.“
„Schatz, ich höre wie da jemand meinen Namen ruft!“
„Mrs. Blum! Hören Sie jetzt endlich auf zu fantasieren! Ich habe keine Zeit für so etwas. Seien Sie jetzt schön brav und nehmen Sie Ihre Medizin. Es ist nur zu Ihrem Besten.“
„Medizin? Was für Medizin? Wer sind Sie? Ich kenne sie nicht? Wo ist mein Verlobter?“
„Jetzt seien Sie doch vernünftig! Sie sehen mich jeden Tag! Mrs Blum! Sie sind 82, ihr Mann ist tot und sie sind alt und verwirrt.“
Mrs. Blum riss die Augen weit auf und begann den Kopf zu schütteln. Begleitet von sinnlosem Geplapper, das in einem nicht versiegen wollendem Schwall aus ihrem Mund floss, drehte sie sich um und starrte aus dem Fenster.
„Ihre verdammte Demenz treibt mich selbst auch noch in den Wahnsinn. Lange werde ich Ihrer lieben Tochter diesen Gefallen nicht mehr tun und dann kommen sie in ein Heim. Wollen sie das?“
Mrs. Blum starrte weiter aus dem Fenster, aber zwischen all dem Gemurmel waren fünf leise Worte zu verstehen: „Ich liebe dich auch, Schatz.“

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